Tumore (onkologische Neurochirurgie)


Durch die Verwendung eines Floureszenzfarbstoffs (Aminolävulinsäure, 5-ALA), welcher etwaig übersehenes Tumorgewebe anfärbt (Abb. 2), und den intraoperativen, 3-dimensionalen Ultraschall (Abb. 3) wird die Radikalität weiter gesteigert.

intraoperativer 3-dimensionaler Ultraschall
Abb. 2. Blick durch ein spezielles Mikroskop mit bestimmter Wellenlänge, in dem sich Tumorgewebe nach Einnahme von 5-Aminolävulinsäure (5-ALA) fluoreszierend rosarot darstellt. Hierdurch kann eine möglichst radikale Tumorentfernung unterstützt werden, da der Operateur besser zwischen Tumor und umgebenden tumorfreien Gewebe (blau=ohne Fluoreszenz) unterscheiden kann.
intraoperativer 3-dimensionaler Ultraschall
Abb. 3. Intraoperativer 3-dimensionaler Ultraschall. Durch diese während des Eingriffs durchgeführte bildgebende Darstellung des Tumors und der einzelnen Schritte der Tumorentfernung bis hin zur kompletten Resektion (das mittleres Bild zeigt die ehemalige Tumorhöhle [Pfeil] und bestätigt die vollständige Tumorentfernung) lassen sich Radikalität und Sicherheit des Eingriffs steigern.


Noch in der Erprobungsphase sind der Einsatz der optischen Kohärenztomograpie und floureszierender Nanopartikel. Integraler Bestandteil einer Hirntumoroperation ist zudem der Einsatz eines computergestützten Navigationssystems, welches beim Auffinden des Tumors und bei der Planung des Zugangs hilft; nur dadurch lassen sich Schlüsselloch-Zugänge realisieren (Abb. 4).
Problematisch sind Tumore, die Hirnregionen, die für Bewegung zuständig sind, erreichen. Radikale Tumorentfernung ohne Schädigung des Bewegungszentrums (d.h. ohne Lähmung) ist hier die besondere Herausforderung. Daher werden in unserer Klinik bereits im Vorfeld des Eingriffs spezielle kernspintomographische Untersuchungen durchgeführt, die die Lagebeziehung zwischen Tumor und Bewegungszentrum darstellen. Während der Operation werden diese Informationen mittels Navigationssystem dem Operateur zur Verfügung gestellt. Um die Sicherheit für den Patienten weiter zu erhöhen, wird zudem die Hirnoberfläche elektrisch gereizt. Dies dient sowohl der nochmaligen Bestätigung der exakten Lage des Bewegungszentrums (Hirnmapping) als auch der kontinuierlichen Funktionsüberprüfung (Monitoring) (Abb.5).

Navigationssystem Hirnelektrode
Abb. 4. Dreidimensionales Bild des Navigationssystems. Mittels einer Kamera im Operationssaal kann die Lage von Instrumenten im Raum erkannt und deren Position in Bezug auf die zu operierende Struktur dargestellt werden. Insbesondere für das Auffinden eines kleineren Tumors leistet dieses Navigationssystem dem Operateur wertvolle Dienste. Außerdem lassen sich Bahnsysteme, so etwa die Verknüpfungen motorischer Steuerungszentren, die mittels spezieller Kernspintomographien Abb. 5. Mikrochirurgischer Blick auf die Hirnoberfläche nach Eröffnung des Schädels und der harten Hirnhaut. Aufgrund der Nähe eines Tumors (etwa unter der „3“ gelegen) zum Bewegungszentrum wird über die der Hirnrinde aufgelegte Elektrode stimuliert, um exakt die Lage der Bewegungszentren nachzuweisen und diese entsprechend bei der Tumorentfernung schonen zu können (Mapping und Monitoring).


Noch problematischer sind Tumore, die im Sprachzentrum des Gehirns wachsen. Hier führen wir im Einzelfall die Operation als Wacheingriff durch; nur so lassen sich Radikalität und Spracherhalt gewährleisten. Mitunter sind Tumoren so tief im Gehirn lokalisiert oder in ihrer Lage oder Anzahl so komplex, dass eine komplette Entfernung ohne Schädigung des Patienten nicht sinnvoll erscheint. In diesen Fällen wird eine computergestützte Probeentnahme (stereotaktische Biopsie, Abb. 6) durchgeführt, um die Art des Tumors klären zu können.

stereotaktischer Apparat
Abb.6. Stereotaktischer Apparat am eröffneten Plastikmodell des Schädels zur Demonstration. Mittels eines Computerprogramms werden die Raumkoordinaten des Tumors ermittelt und manuell auf den mit dem Kopf des Patienten fixierten Rahmen übertragen. Sodann kann eine Hohlnadel bis in den Tumor vorgeschoben und eine Probe entnommen werden


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